5 auf einen Streich oder: über die Stuhlreihe des Schreckens

20180420_202418_resizedMal ehrlich: 5 x hintereinander die gleiche Veranstaltung moderieren – nervt das nicht? Ganz klar: Tut es nicht. Im Gegenteil, es ist herrlich, wenn man Zeit hat, auf Details zu achten und sich an der Verschiedenheit der Menschen zu erfreuen. Und dass das zum Job gehört! Neulich war ich also auf “Thüringentour”, das heißt innerhalb von 12 Tagen in fünf verschiedenen Regionen unterwegs. Bis ganz in den Süden hat es mich verschlagen (bis hinter den Tunnel) und auch mal ganz in den Osten, wo man fast schon nach Leipzig zum Einkaufen fährt. Thüringen ist so groß!

Offizielles Ziel war es, Informationen zum “Landesprogramm Familie” des Thüringer Sozialministeriums unter die Leute zu bringen. Heimlich habe ich aber private Studien betrieben, quasi populärwissenschaftlich. Mich interessierte nämlich, ob und wie unterschiedliche Leute auf Gleiches reagieren. Was soll mein armer Kopf auch anderes machen, wenn er spätestens beim dritten Durchgang sowohl die Vorträge als auch die immergleichen Rückfragen mitsprechen kann. Also forschte ich.

Dabei ist manches einfach erzählt: Langweilige Vorträge langweilen Menschen, egal, wo sie wohnen. Ein rosa Beamerbild ist immer eine schlechte Idee. Und die Landratsämter haben die Barrista-Kultur eher nicht erfunden. Aber ob eine Zuhörergruppe auf amüsante Bemerkungen anspringt oder nicht, einen armen Referenten völlig sinnlos mit Grundsatzkritik belästigt oder durch völlige Nicht-Interaktion eine seltsame Stimmung entstehen lässt, das weiß man vorher nicht. Und zwei Tage später an anderer Stelle machen die Zuhörer jeden Spaß mit, dass es eine Freude ist. Verrückt.

20180508_165308_resizedNatürlich ist es nicht die Region, die die Stimmung beeinflusst. (Vielleicht klingen schimpfende Südthüringer aufgrund ihrer Sprachmelodie auch einfach netter …). Es ist vielmehr eine Thüringer Besonderheit, ich nenne sie das “Mitte-Phänomen”. Auf der Linie der Thüringer Städtekette, ganz besonders natürlich rund um Erfurt, sind die Landesvertretungen der Interessengruppen organisiert. Wenn diese dann geballt in einer “Mitte”-Veranstaltung zusammenkommen, ist die gesamte Power der Fürsprecher und Gegner in einem Raum. Das muss nicht schlecht sein – meiner Meinung nach ist das immer gut für die Stimmung. Manchmal aber sammelt sich die eine oder andere Gruppe auch wie am Hotelpool durch Handtücher markiert auf festen Plätzen in einer “Stuhlreihe des Schreckens”. Nach dem Motto: Gemeinsam ist man stärker, und zur Not kann man durch lautes Quatschen mit seinem Nachbarn die Veranstaltung sabotieren. Das machts dann moderativ immer sehr interessant. Ich mag das ja durchaus gern. Da hilft nur: festhalten und durch.

Interessant ist es dann, wenn selbst von Kritikern hinterher positive Rückmeldungen eingehen. Da freut man sich über die Bestätigung der alten Regel: Die Welt ist bunt.